Stolpersteine - GAG

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Service > Aktuelles
 
Gegen das Vergessen
 
Schüler reinigen Bad Homburger Stolpersteine
 

 
Von der Wortbedeutung her meint der Begriff „Andenken“ ein bewusstes Erinnern. Eine respektvolle Erinnerungskultur pflegten auch die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule am Gluckenstein, als sie sich am 11. November 2019 aufmachten, um in Bad Homburg Stolpersteine zu reinigen und der Opfer des Holocausts zu gedenken.
 
Vielleicht mag sich mancher fragen, warum wir uns auch heute noch an etwas erinnern sollen, das vor fast 80 Jahren geschah, als am 10. November 1938 in Bad Homburg u. a. die Synagoge auf dem Platz der heutigen Volkshochschule  in Brand gesteckt wurde.
 
Schauen wir auf aktuelle Ereignisse, so wird schnell klar, dass Antisemitismus, Hass und Hetze leider auch heute nicht der Vergangenheit angehören. So lesen wir u. a. im September in der Zeitung von der Beschmierung von Gedenksteinen der KZ Gedenkstätte Buchenwald mit Hakenkreuzen. Im Oktober erfahren wir von dem Anschlag in Halle. Antisemitismus zeigt sich aber auch im Alltag, wo es sowohl in den sozialen Medien als auch im realen Leben zu verbalen Attacken und enthemmtem Judenhass kommt und jüdische Mitbürger sich nicht getrauen, sich zu ihrem Glauben zu bekennen, aus Angst vor Hetze und Verfolgung.
 
Angesichts dieser Umstände, stellt sich die Frage, wie sich unsere Gesellschaft diesem Hass entgegenstellen und ihm den Nährboden ein Stück weit entziehen kann.
 
Eine Handlung mit großer Aussagekraft ist hierbei sicherlich das Pflegen einer würdigen Erinnerungskultur. Diese wird an der Gesamtschule am Gluckenstein seit jeher respektvoll von den Jugendlichen und Lehrenden gepflegt. Die Schüler setzen sich im Unterricht und im Rahmen außerschulischer Unterrichtsgänge fächerübergreifend mit dem Holocaust auseinander.
 
Beim Stolpersteingang, bei dem die Steine gereinigt und mit einer Rose versehen wurden, gedachten Angehörige, Mitglieder der Stolperstein – Initiative, Schüler und Lehrende den Schicksalen der Holocaustopfer.
 
„Es ist einfach unvorstellbar.“ Diese Worte brechen einer Schülerin des 10. Jahrgangs fassungslos aus, nachdem sie von Frau Fichtner hört, was ihrem Vater Alfons Pflügl, einem christlichen Bäckermeister, widerfuhr („schuldig, auch Juden zu bedienen“). Es ist der direkte Dialog mit Angehörigen und das Einfangen der Atmosphäre an den Stolpersteinen, die zu einer lebendigen Erinnerungskultur beitragen. Die Jugendlichen zeigten sich still, nachdenklich und sehr reflektiert.
 
Ein besonders bewegender Moment stellte auch das gemeinsame Gebet zwischen Herrn Donath, dem Honorarkonsul der Slowakischen Republik Hessen, den Angehörigen und den Schülern dar. Die Bedeutung der gemeinsamen jüdisch-christlichen Wurzeln kam hier zum Tragen.
 
In Bezug auf den Talmud erinnerte Herr Donath daran, dass ein Mensch erst dann vergessen ist, wenn sein Name in Vergessenheit gerät.
 
 
(Pham)
 
 
 
Besonderer Dank für ihr außerordentliches Engagement geht an die Mitglieder der Stolperstein-Initiative Familie Wilhelmi, Herr Donath, Frau Fichtner (sie würdigte den Einsatz der Jugendlichen mit einer süßen Spende), Frau Kunz, Frau Großblotekamp, Herr Juretzek sowie den Stadtpolizisten Frau Kattge und Herr Umrath.
 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü